Die Spielfiguren sind wir

Was auf dem Spiel steht?

Ist es eine Frage, ist es eine Feststellung? Das Thema „was auf dem spiel steht“, das der Kunstverein Aichach in den Raum stellte, um Künstlerinnen und Künstler zu einer Ausstellung im Köglturm einzuladen, lässt – schon dank seiner offenen Formulierung – einigen Interpretationsspielraum.

„Doch ganz gleich, wie ich das Thema interpretiere – als ich die Einladung las, schossen mir Gedanken durch den Kopf, die gegensätzlicher nicht hätten sein können“, sagt Künstlerin Petra Annemarie Schleifenheimer aus Fürth. Schlagartig kamen ihr Assoziationen wie Frieden, Freiheit, Toleranz, Gesellschaft, Gemeinschaft, Demokratie, Offenheit in den Sinn. Allgemeingüter einer demokratischen Gesellschaft also, die gefährdet sind durch die gegenwärtigen sozialen und politischen Strömungen. Gefährdet durch Ausgrenzung, Hass und Gewalt.

Die Spielfiguren sind WIR

Gleichzeitig tauchten, provoziert durch die sozialen Medien, vor dem inneren Auge der Künstlerin Bilder auf, die uns vorgaukeln, wie wir sein sollten oder auszusehen haben. Was wir tragen sollten, um dazuzugehören. Es ist ein wahrer Strudel von Meinungen und Ansichten, der das Individuum hineinzieht in die Diskussion um ein vermeintliches ‚richtig’ oder ‚falsch’. Wie sollten wir uns verhalten? In der Menge untergehen? Bloß nicht auffallen? Oder: Wo sollen wir mit marschieren? Wo welches Plakat hochhalten? 

Ein Plakat! Petra Annemarie Schleifenheimer sah es deutlich vor sich: Persönlichkeit verwischt, ob als allgemeiner Wert oder in der individuellen Konkretisierung. Individualität geht verloren. Mehr und mehr. Was können wir dagegen tun? Das Spielbrett unserer Gesellschaft liegt derzeit auf wackligem Grund. Und mit ihm unsere Individualität. Vielfalt ermöglichen und gute Kommunikation zulassen, das könnten die künftigen Spielregeln der demokratischen Werte und unserer Gesellschaft sein. 

Das ICH steht auf dem Spiel

Der Kunstverein Aichach zeigt die 2-teilige Arbeit ES IST DAS ICH, DAS AUF DEM SPIEL STEHT von Petra Annemarie Schleifenheimer vom 16. März bis 7. April 2024 im Köglturm.

Neben einer Kohlezeichnung, gedruckt auf Alu Dibond, ist ein Stapel von Plakaten zu sehen. Jedes dieser Plakate wurde von der Künstlerin individuell bearbeitet und unterscheidet sich von allen weiteren Exemplaren. Das ICH variiert, manches ICH verschwimmt oder verschwindet gänzlich. Wo taucht das ICH wieder auf? 

Wer in der Präsentation sein persönliches Lieblingsexemplar findet, kann es während der Ausstellung direkt erwerben und das ICH mit nach Hause nehmen.

Petra Annemarie Schleifenheimer freut sich sehr, im 1. Ausstellungsteil in Aichach dabei zu sein, und ist schon gespannt darauf, was für ihre Künstlerkolleginnen und -kollegen „auf dem Spiel steht“. 

Ein herzliches Dankeschön an Maria Breuer, die stellvertretende Vorsitzende des Kunstvereins, für das Foto meiner Arbeit in der Ausstellung, die heute eröffnet wird!