Langzeitbeobachtung No. 3
In meinem Projekt NICHT MEIN ORT untersuche ich, wie sich Identität und Erinnerung in Beziehung zu Orten bilden – und wo sie brüchig werden. Mich interessiert, wie Räume und Erlebtes durch subjektive Erzählungen transformiert werden: aus Transitorten entstehen Geschichten, aus scheinbar Unbedeutendem verdichtet sich kollektive Erfahrung.
Diese Langzeitbeobachtung No. 3 verstehe ich als poetische Kartografie unserer Gegenwart – und als Einladung, das eigene Verhältnis zu Raum und Erinnerung neu zu befragen.
Archiv von mehr als 200 Nicht-Orten
work in progress seit 2018
Ausgestellt in:
2025 Kultur.Lokal.Fürth
2018 und später: Befragungen in Freiburg und diversen anderen Orten
Sehnsuchtsorte
Wir leben in einer Gesellschaft, die so mobil ist wie nie zuvor. Wir reisen von Ort zu Ort. Im wirklichen Leben wie in unseren Träumen. Sehnsuchtsorte erfüllen unsere Gedanken. Wir schmieden Pläne, freuen uns aufs Ankommen und genießen diese Orte.
Un-Orte
Doch es gibt auch die ekelhaften, grausigen, schmutzigen, hässlichen, abstoßenden Orte. Sie verbinden wir mit unangenehmen Gefühlen. Wir suchen diese Orte nicht. Aber es lässt sich manchmal nicht verhindern, dass wir sie aufsuchen. Wir sprechen wenig über solche Orte und die Gefühle, die wir mit ihnen verbinden.
Zur Entstehung
Den Anfang nahm das Projekt im Mai 2018 in Freiburg im Breisgau, im Rahmen der open art , dem Kunstfestival im öffentlichen Raum. Dort sammelte ich von Passant:innen persönliche „Nicht-Orte“ und überführte sie in ein ständig wachsendes Archiv:
- Mittels geografischer Koordinaten stellte ich sie auf der Homepage nichtmeinort.de vor.
- Aus den Interviews entwickelte ich Protokolle und künstlerische „Ansichtskarten“.
- Diese infiltrierte ich schließlich – als stille Intervention – in die Verkaufsständer von Geschäften in Freiburg.
So verschob sich der Blick: aus scheinbar neutralen Orten wurden individuelle Marker, aus Alltagsräumen poetische Topografien.
Kontinuierliche Erweiterung
Mein Projekt habe ich als work in progress angelegt und es seither auf meinen Reisen, in verschiedenen Städten und Kulturräumen fortgeführt:
- 2018: Amsterdam, Schwabach, Augsburg, Fürth, Hamburg, Berlin
- 2019: Fürth, Schwabach, Jordanien
- 2022: Fürth, Venedig
- 2025: Fürth, kultur.lokal.fürth.
Aktuell umfasst mein Archiv über 200 Nicht-Orte – eine wachsende Sammlung kollektiver wie persönlicher Erfahrungen.







Ausstellung im öffentlichen Raum
Im August 2025 war NICHT MEIN ORT eine der zentralen Arbeiten meiner Ausstellung im kultur.lokal.fürth. Das Projekt erweiterte sich dort täglich durch neue Beiträge des Publikums – eine Dimension, die die künstlerische Setzung lebendig hält.
Begleitet wurde die Präsentation von drei Extratouren, bei denen persönliche Nicht-Orte von den eingeladenen Erzählerinnen sichtbar gemacht wurden:
- Dorith Müller vom Bürger- und Geschichtsverein Reichelsdorfer Keller e.V.
- Ariane Niehoff-Hack vom Museum Frauenkultur Fürth
- Andrea Himmelstoß, Das Texthaus



Kunstprojekt
Mir dem Kunstprojekt NICHT MEIN ORT schuf Petra Annemarie Schleifenheimer ein Format, das jeder und jedem die Möglichkeit gab, diesen unangenehmen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Diese Orte fanden sich auf der Website des Projekts wieder und sind nun archiviert in einem PDF, das hier heruntergeladen werden kann:
Feedback erwünscht!
Nach wie vor ist jedes Feedback, jede Meinung, jede Info zu diesem Projekt willkommen: