Atelier PAS
Petra Annemarie Schleifenheimer

Die Kulturhauptstadt von Fürth?

Diese Bezeichnung wird unserem Oberbürgermeister, Herrn Dr. Thomas Jung, zugeschrieben. Ob er es tatsächlich so formuliert hat? Und falls ja – was genau meinte er wohl damit?

Die Rede ist von Burgfarrnbach.

Zwar keine eigenständige Stadt, dafür aber der westlichste und größte Stadtteil Fürths. Vor allem aber ist Burgfarrnbach Heimat eines ganz besonderen Kleinods: das Schloss Burgfarrnbach, laut Wikipedia „die größte klassizistische Schlossanlage Süddeutschlands“.

Neben Stadtarchiv und wissenschaftlicher Bibliothek war im Marstall bis 2024 auch das Museum Frauenkultur regional-international untergebracht. Kurz vor dessen Umzug in die Fürther Innenstadt konnte ich dort noch mit mehreren Arbeiten an der Ausstellung „Baustelle Frauenbild“ teilnehmen.

Erinnerungen an die gut besuchte Ausstellungseröffnung im Schloss Burgfarrnbach

Apropos Ausstellung …

Damit bin ich endlich beim eigentlichen Thema angekommen.

Am Wochenende vom 19.-21. Juni 2026 fand in Burgfarrnbach eine Gemeinschaftsausstellung mit 18 Künstler:innen aus dem Stadtteil statt. Nicht im Schloss, sondern in einem „Alten Haus“, das kurz vor dem Abriss steht. Der Eigentümer stellte das Gebäude der Künstlerschaft des Bürgervereins Burgfarrnbach e.V. bereits zum dritten Mal großzügig zur Verfügung – eine wunderbare Gelegenheit, einem Ort auf Zeit neues Leben einzuhauchen.

Und dieses Potenzial wurde voll ausgeschöpft: Bis in den letzten Winkel des Hauses präsentierten die Künstler:innen die beeindruckende Vielfalt ihrer Arbeiten – unterschiedlichste Motive, Techniken und Ausdrucksformen machten den besonderen Reiz dieser Ausstellung aus.

Ausstellung vor dem Jazz-Frühschoppen

Sehr gerne folgten wir der Einladung von Nina Thilo und Gerhard Fuchs, dem Karikaturisten, der das Ganze organisiert hatte. Trotz hochsommerlicher Temperaturen konnten wir am Sonntagvormittag fast alle Künstler:innen persönlich in ihren jeweiligen Ausstellungsräumen treffen. Die Fotos zeigen: Es gab viele interessante Gespräche, herzliche Begegnungen und jede Menge gute Laune.

Besonders gefreut haben wir uns über neue Kontakte. Gleich im Erdgeschoß zeigten uns Beate Pappenberger und Stefan Kaltenbacher ihre malerischen Arbeiten. Im 1. Obergeschoß tauschten wir Gedanken mit der Fotografin Katrin Dirler aus.
Karin von Beyer berichtete charmant und lebendig über das Programm ihrer Galerie und lud zu den kommenden Ausstellungen bei Calarts ein. Spätestens beim GASTSPIEL 2026 werden sich unsere Wege sicher wieder kreuzen.

Im „Frauenzimmer“: „echte Frauen“

Gerade noch rechtzeitig traf Nina Thilo aus Coburg ein, wo sie am Tag vorher eine Hochzeit fotografiert hatte. Den Raum, den sie mit Karin von Beyer teilte, hatte sie sinniger Weise mit „Frauenzimmer“ tituliert. Nicht allein diese Bezeichnung, sondern vor allem die Werke an den Wänden, machten die Besucher:innen neugierig.

Der Einladung des Lions Club Fürth zum Jazz-Frühschoppen ins Obstgärtla sind wir schließlich doch nicht mehr gefolgt – am Himmel zogen inzwischen dunkle Gewitterwolken auf. Unserem Oberbürgermeister begegneten wir allerdings noch auf dem Weg. Vielleicht hat er den Frühschoppen doch noch trockenen Fusses erreicht.

Und vielleicht ist an der Bezeichnung „Kulturhauptstadt von Fürth“ tatsächlich etwas dran. Denn Kultur entsteht nicht nur an den großen, bekannten Orten, sondern überall dort, wo Menschen Ideen teilen, Räume öffnen und gemeinsam etwas schaffen. Genau das war in Burgfarrnbach an diesem Wochenende zu erleben: ein Stadtteil, der seine Geschichte bewahrt und gleichzeitig neue kulturelle Wege geht. Zwischen Schloss, Marstall und dem alten Haus auf Zeit zeigt sich, was den Kulturhauptstadt-Gedanken ausmacht – Vielfalt, Begegnung und die Kraft, aus besonderen Orten lebendige Kultur entstehen zu lassen.