Atelier PAS
Petra Annemarie Schleifenheimer

Die Buchstabenkiste öffnet heute nur einen Spalt breit

Aufgrund der hochsommerlichen Hitzewelle wird die Buchstabenkiste im ATELIER PAS heute nur einen kleinen Spalt geöffnet – gerade weit genug, um kurz und bündig von dieser Ausstellungswoche zu berichten.

An drei Tagen durfte ich meine Gäste begrüßen. Mit jeder und jedem Einzelnen hätte ich noch viele Stunden weiterreden können. Wir klebten förmlich an den Stühlen, während sich mein Bierfilz zusehends mit Strichen füllte. „Das Eis schmilzt schon, wenn ich Ihnen das Glas bringe“, bemerkte unser fachkundiger Mann hinter der Bar trocken, als er mir am Mittwochabend das dritte Glas WWS servierte.

„Worüber habt ihr euch denn sooooo lange unterhalten?“ Diese notorische Frage holt mich zuverlässig jeden Abend ein, wenn ich die roten Schuhe – beziehungsweise bei diesen Temperaturen die roten Sandalen – abstreife.

Worüber wir gesprochen haben?

  • Wir haben den Erdball mehrfach umrundet: Fürth – Sardinien – New York – Singapur – Portugal – Leipzig – und wieder zurück nach Fürth.
  • Wir haben einer coolen Tierärztin beim Ziehen eines Pferdezahns über die Schulter geschaut.
  • Wir sind über die Weltmeere gesegelt und mit der ersten Windböe um fünf Uhr morgens über den Ammersee geglitten.
  • Wir sind mit dem E-Bike nach Stadeln zum Wasserrad gedüst.
  • Mit Camper und Zelt haben wir Fehmarn, beinahe ganz Dänemark umrundet – bei stürmischem Wind, frühsommerlichen Temperaturen und strahlendem Sonnenschein.
  • Wir konnten einen BLAUEN PASSAGIER an jener Landspitze beobachten, an der Nord- und Ostsee aufeinandertreffen. * siehe Fotos unten!
  • Wir haben einen spannenden Ausflug in die luftigen und leicht wackligen Höhen eines fränkischen Kletterwalds unternommen.
  • Wir haben über das ICH nachgedacht und darüber, wie wir in Zukunft leben möchten.
  • Wir haben Erfahrungen über Knieoperationen ausgetauscht und diskutiert, wer die besten Ergebnisse erzielt – und wo die besten Physiotherapeuten zu finden sind.
  • Wir haben über Fotoapparate gesprochen – ja, die gute alte Canon – über 36er-Farbfilme sowie über analoge und digitale Bildbearbeitung.
  • Und wir haben Ladestationen für noch gar nicht vorhandene E-Autos geplant und überlegt, wie lange es wohl dauern wird, bis aus Plänen Wirklichkeit wird.

DANKE, an meine lieben Gäste: Nicole, Sven, Dieter und Gerd!

Die Welt retten konnten wir an diesen Abenden zwar noch nicht. Aber jedes einzelne Treffen hinterließ bei meinen Gästen wie auch bei mir, das Gefühl, dem Ganzen zumindest ein winziges Stück näher gekommen zu sein.

Selbstverständlich haben wir über Kunst gesprochen – über Kunst im Allgemeinen und über meine Ausstellung im Besonderen. Schließlich ist sie der Anlass für all diese Gespräche im Bistro des Babylon Kinos.

Dabei erstaunt es mich immer wieder, wie Besucherinnen und Besucher meine Arbeiten interpretieren. Ebenso spannend ist ihre Reaktion, wenn ich von meinen Morgenrunden im Park erzähle. Was zuvor manchem rätselhaft erschien – etwa der Titel der Ausstellung „Wenn der Weg unscharf wird, bleibt nur das Hüpfen von Fleck zu Fleck“ oder die Objekte an der Wand, „die Flecken“ – wird plötzlich nachvollziehbar.

Ob ich solche Einblicke auch während einer Vernissage vermitteln könnte?

Ich bezweifle es.

„Also, das sieht ja voll interessant aus!“