War ich im Urlaub? Oder hatte ich einfach keine Lust mehr auf meine Mikro-Vernissagen im Babylon? Weder noch. In der vergangenen Woche hatte ich, lediglich zwei Besucher – und deshalb gibt es dieses Mal auch kaum Fotos.
Nur auf ein Bier!
Mein bislang ältester Gast der Reihe – in Kürze wird er 85 Jahre alt – kam trotz der großen Hitze per U-Bahn von Nürnberg nach Fürth. „Nur auf ein Bier“, was er gleich zu Beginn unseres Treffens ankündigte. Wie so oft blieb es natürlich nicht dabei: Aus dem einen wurden schließlich drei Tagesbiere, die er sichtlich genoss.
Unsere Unterhaltung verlief, wie schon so viele zuvor hier im Bistro des Babylon Kinos, ganz nach dem Motto „vom Hölzchen aufs Stöckchen“. Wir schlugen gedanklich große Bögen – zwischen Kunst und Alltag, gemeinsamen Erinnerungen und dem Leben an sich.



Natürlich durfte auch diesmal der kleine Exkurs zur Entstehung der „Flecken“ auf der roten Wand nicht fehlen. Auch heute wurde ich gefragt, wie ich auf den Titel meiner Ausstellung gekommen bin: „Wenn der Weg unscharf wird, bleibt nur das Hüpfen von Fleck zu Fleck.“ Es sind genau diese Fragen, diese Gespräche, die jede Mikro-Vernissage zu etwas Besonderem machen.
Reisen zu einem Inspirationsort
Meine nächste Besucherin kam ebenfalls mit den Öffis, nämlich mit der DB aus Berlin: Christiane ten Hoevel, „noch“ Dozentin an der Akademie Faber-Castell. Da die Akademie zum Jahresende schließt, war dies vermutlich einer ihrer letzten Besuche hier.
Diese Nachricht macht viele betroffen, die dort gelernt, gearbeitet , studiert oder gelehrt haben. Die AFC war über Jahre ein besonderer Ort für Menschen, die sich, neben Beruf oder Ruhestand, ein Kunststudium ermöglichten – getragen von den Ateliers im alten Industriegebäude am Fluss und einer Atmosphäre, die ihresgleichen suchte.



Ausstellungsort und Platz zum Nachdenken
Christiane setzt ihre Kunstreisen und Seminare zwar fort, doch der Ort, der die Seminare geprägt hat, verschwindet. Auch für mich ist das ein Einschnitt: Hier entstand gemeinsam mit Ruth Bergmann, Doris Henle, Sybille Fenzel und Bettina Emrich die Künstlerinnengruppe StilleStoerung. Ich denke gern an diese intensive Zeit zurück – an unsere Ausstellungen auf der Giechburg und im Blauen Reformkiosk im Fürther Stadtpark.


Der geschulte Blick von Christiane ten Hoevel fiel sofort auf eines der Bilder, das etwas zu hoch hing. Nachdem es sich vor einigen Tagen im Beisein von Gästen Stück für Stück nach unten verabschiedet hatte, ließ es sich nicht mehr exakt fixieren.
Auch die Platzierung der „Flecken“, über die wir schon vor dem Aufbau diskutiert hatten, bot erneut Anlass für Überlegungen. Oft zeigt sich erst im Ausstellungsraum, was wirklich trägt – und was in einer nächsten Präsentation anders entschieden werden will.
Am Ende dieser Begegnungen bleibt für mich das Gefühl, dass sich in den scheinbar kleinen Momenten der Mikro-Vernissagen ein viel größeres Netz aus Erinnerungen, Gesprächen und Verbindungen spannt. Den Begriff „Mikro-Vernissage“ hat übrigens CtH geprägt, wie ich finde, eine sehr passende Bezeichnung für meine Einladungen zu dieser Ausstellung.

Jeder Besuch, jede Unterhaltung und jede geteilte Beobachtung fügt dem Ganzen eine weitere Schicht hinzu – leise, aber nachhaltig. Und während sich mit der Schließung der Akademie Faber-Castell ein bedeutender Ort der künstlerischen Ausbildung hier in Mittelfranken verabschiedet, wird mir umso deutlicher, wie wichtig solche flüchtigen, persönlichen Räume des Austauschs sind, in denen Kunst nicht nur gezeigt, sondern gemeinsam erlebt und weitergedacht wird.