Handtaschen aus 100 Jahren
Unter diesem kurzen, knackigen Titel zeigt das Knauf-Museum in Iphofen momentan eine großartige Sonderausstellung.
Erst schaut man zweimal hin: Was haben denn Handtaschen in diesem Museum zu suchen, in dem es sonst um die Reliefkunst alter Kulturen geht? Meisterwerke gibt es hier zu sehen aus dem alten Ägypten, aus Mesopotamien, Persien und dem Hethiterreich – und, wie es im Ausstellungskatalog heißt, „… weltberühmte Spitzenwerke griechischer und römischer Kunst, des alten Indiens sowie der Kulturen des alten Amerika“.
Spätestens im 3. Obergeschoss des architektonisch eigenwilligen Neubaus wird klar: Bei den Handtaschen aus den vergangenen einhundert Jahren handelt es sich ebenfalls um Meisterwerke. Vielleicht nicht ganz so monumental wie die Reliefkunst, dafür jedoch, für den Moment, ausgesprochen bezaubernd.
Tote Bags, Kelly Bags, Clutches und „Baguettes“ – große und kleine Träumchen aus Leder und Seide, bestickt, geflochten oder gewirkt. Darunter Einzelstücke, viele von Hand gefertigt. Ich könnte stundenlang vor den Vitrinen stehen und diese prächtigen Accessoires der Modegeschichte betrachten. Mich in ihren Materialien verlieren.
Der Audioguide führt tief hinein in die Stories, die sich um die Taschen ranken: um ihre weltbekannten Trägerinnen, um Stars und Starlets, die den Taschen häufig erst ihre Namen verliehen.

Und, bei den Louis-Vuitton-Taschen, fällt mir sogar ein ganz spezieller Zusammenhang zwischen dem fränkischen Weinort Iphofen und den ausgestellten Taschenmodellen auf: Ein stabiler L-V-Beutel war ursprünglich für den Transport von fünf Champagnerflaschen angefertigt worden. Was für eine geniale Idee, aus der später ein ebenso stabiler wie stilvoller Alltagsbegleiter werden sollte.
Da möchte ich sofort ausrufen „Komm doch mit, Du bist so schön!“.
Die Ausstellung rund um die Handtasche läuft noch bis zum 8. November 2026. Jetzt ist übrigens eine ideale Zeit, dem fränkischen Weinort einen Besuch abzustatten: Nach dem Gang durch das Museum lockt spätsommerliches Wetter hinauf zum Spaziergang rund um die Weinberge. Außerdem laden viele gastliche Häuser des Ortes dazu ein, den süffigen Federweissen mit einem Stück Zwiebelkuchen zu probieren.
