Ausstellungseröffnungen folgen meist einem vertrauten Muster: Hände schütteln. Anstoßen. Fotos. Erklären. Noch einmal erklären. Mit vielen Menschen sprechen und doch oft nur für wenige Minuten.
Am Morgen danach bleiben Fragen: Wer war eigentlich alles da? Wen habe ich verpasst? Habe ich die Geschichte hinter meinen Arbeiten wirklich so erzählt, wie ich sie erzählen wollte?
Bei meiner aktuellen Ausstellung „Wenn der Weg unscharf wird, bleibt nur das Hüpfen von Fleck zu Fleck“ ist vieles anders. Statt eines einzigen, trubeligen Abends entstehen zahlreiche kleine Begegnungen – verteilt über mehrere Wochen. Nicht zwischen Tür und Angel, sondern an einem Holztisch im Bistro des BABYLON Kinos. Mit Zeit für Gespräche, Erinnerungen und überraschende Verbindungen.
Dieses Mal verläuft alles anders. Völlig anders.
Vor uns liegen die Bierfilze – sozusagen die Eintrittskarten für das heutige Gespräch. Manche dieser Begegnungen beginnen mit einer intensiven Betrachtung meiner ausgestellten Arbeiten: den Objekten an der großen roten Wand, den Fotografien im Eingangsbereich oder hinter der Kuchenvitrine.


Noch lange nicht vorbei
An anderen Abenden versinken meine Gäste und ich zunächst in gemeinsamen Erinnerungen oder Zukunftsplänen. Manchmal müssen wir auch die Welt retten. Meist sprechen wir aber von den letzten Reisen, von unserem Lieblingstier oder vom bevorstehenden Schullandheim Ausflug der Tochter. Finger scrollen durch Mediatheken: polynesische Atolle, Bahnabteile, Konzerte und besuchte Ausstellungen erscheinen auf unseren Displays. Dann der Hund, der gerade die neue Balkonbepflanzung bearbeitet, und schließlich das letzte Spargel-Foto. „Leider bald vorbei!“
Ich berichte von meinen morgendlichen Runden durch den Fürther Stadtpark und davon, bei welchen Gelegenheiten die Fotos entstanden sind. „Alle erst im vergangenen Winter und in diesem Frühjahr. Als zusammenhängendes Thema meiner Fotografien habe ich das Wasser im Park gewählt. Und ja: Alles habe ich tatsächlich mit dem iPhone festgehalten.“

Oft zeige ich auf das Bild des noch leeren Fontänenbeckens. Leider sprudelt die Brunnenanlage im Stadtpark noch immer nicht. Also, doch kein Wasser?
Diese persönlichen Treffen sind äußerst kurzweilig. Die Zeit vergeht meist wie im Flug. Schnell noch ein Glas Wein, einen Kaffee oder einen Schnitt vom Tagesbier. Zum Abschied höre ich häufig: „Das war heute etwas ganz Besonderes. So viel mehr Zeit für einander als bei einer Vernissage!“

Foto: Nina Thilo
Nachdem die Ausstellung nun bis zum 20. Juli 2026 verlängert wurde, bleiben noch gut vier Wochen für weitere Gespräche. Weitere Getränke. Mein Kalender füllt sich bereits.
Ganz wichtig ist der Rahmen
In dieser Woche hatte ich gleich zwei toll kreative Frauen zu Gast.
Ohne, daß ich sie vorher bemerkt hatte, begrüßte mich die erste gleich mit einem wunderbaren Foto. Das nachfolgende Bild hat sie kurz bevor sie das BABYLON Bistro betrat, geknipst (Oh, darf man das bei einer professionellen Fotografin überhaupt so sagen?).
Die Überraschung war ihr gelungen: Nina Thilo, die Fotografin – ihr Slogan „Fotografie für echte Frauen“ kam mir gleich in den Sinn als Sie mir das fein gerahmte Bild zeigte. „Der Rahmen“, erklärte die Fachfrau, “… ist mir immer ganz wichtig“.

Foto: Nina Thilo
Mit Nina tauche ich an diesem Abend nicht nur tief in ihre Fotografinnen Welt ein, sondern ebenfalls in einige ihrer spannenden Abenteuer unter Wasser.
Natürlich erinnern wir uns im Lauf unserer Unterhaltung auch an die Zeit, als wir uns kennenlernten. Im Jahr 2012 hatte ich Nina beauftragt, sämtliche Werke meiner ersten Einzelausstellung zu dokumentieren. Wie sich später herausstellen sollte, war mein Gedanke damals richtig – ein Teil der von mir ausgestellten Arbeiten fand bereits am Eröffnungsabend Interessenten.


Apropos 1. Einzelausstellung.
Diese fand auf Einladung von Barbara und Dieter Lauffer in ihrem neu eröffneten Office am Fürther Bahnhofsplatz statt. Es war mir ein großes Vergnügen in allen Räumen von Customer und Partner meine Gemälde, Assemblagen und Collagen präsentieren zu dürfen.
Und heute freue ich mich schon darauf, Bärbel und Dieter demnächst hier „auf ein Bier“ zu treffen.

Foto: Thomas Scherer
Geknüpft, verwoben und getextet
Wie eng vieles miteinander verbunden ist, zeigte sich bereits am folgenden Abend, als Andrea Himmelstoß zu mir ins Bistro des BABYLON Kinos kam.
Die wortgewandte Chefin von DAS TEXTHAUS, Hüterin meiner Webseiten, Buchstabenfee und langjährige Freundin, hatte im Jahr 2012 die Fäden zu Nina geknüpft und den Kontakt zu der Fotografin hergestellt.
Andrea, die Erfinderin der legendären „Rosa Runde“ und des zauberhaften „Rosa Punsch für Rosa Frauen“ jongliert seit Jahren kunst- und fantasievoll mit Buchstaben und kreiert daraus immer passgenaue Texte. Aber auch außerhalb der TEXTHAUS Welt hat sie regelmäßig mit Fäden zu tun.

Die Gründerin des Nürnberger Nadelglücks hat bereits unzählige Verbindungen zwischen – nicht nur- handarbeitenden Frauen geknüpft und ganze Netzwerke initiiert. Außerdem ist kein Knäuel Wolle oder Garn ist vor ihr sicher: Socken, Schals und Pullover entstehen bei ihr scheinbar nebenbei – während eines Gesprächs oder, wie ich selbst schon beobachten konnte, sogar auf längeren Autofahrten.


Die Erinnerungen von uns beiden reichen über viele Jahre zurück: Ob Gebirgswanderung mit Strickzeug oder unsere Aktivitäten in der Zeit des Blauen Reformkiosk sind fast schon legendär. Die Kunstaktion „1517 – BLAUE GRANNIES“ war im Jahr 2017 eines unserer gemeinsamen Highlights, neben Lesungen, geheimnisvollen Stadtverführungen und gemeinsamem Kochen. Ich könnte die Liste wohl noch lange fortsetzen.




Der Abend war einfach wieder mal zu kurz – ausschweifende Erinnerungen, Netzwerkende Zukunftspläne … Außerdem verriet mir Andrea Himmelstoß an diesem Abend, daß sie inzwischen sogar begeistert zur Sticknadel greift. Was uns da wohl noch alles verbinden wird?