Was für ein schönes Kompliment – noch dazu von einer Künstlerkollegin:
„Ich bin sprachlos.“
Dieser Satz fiel ganz am Ende unserer heutigen Begegnung im Babylon. Fast zwei Stunden lang hatten wir über Kunst gesprochen – über Zeichnung und Malerei, über textiles Arbeiten, Skizzenbücher, Arbeitsweisen und künstlerische Wege.
Doch der Reihe nach.
Claudia Wirth und ich sind uns zwischen 1980 und 1982, an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg, vermutlich unzählige Male begegnet. Sie studierte Textilkunst bei Professor Eusemann, während ich, als Innenarchitektur Studentin der Klasse von Prof. Wunibald Puchner, dem Diplom-Ingenieur-Titel entgegenstrebte.
„Ach, immer diese Angewandten …“
Der Satz war uns beiden noch präsent. Den freien Künstler:innen waren „die Angewandten“ schließlich schon damals etwas suspekt. Genau darüber mussten wir schmunzeln, als wir uns vor einigen Wochen beim 7. Kunstpreis der Stadt Weißenburg in der Kunstschranne kennenlernten.
Denn tatsächlich kannten wir uns gar nicht – oder wir erkannten uns zumindest nicht wieder.
Zwischen diesen möglichen Begegnungen, denen im letzten Jahrhundert und unserem tatsächlichen Kennenlernen im Jahr 2026, liegen fast fünfzig Jahre und zwei Lebenswege, die kaum unterschiedlicher hätten verlaufen können. Umso erstaunlicher war die Vertrautheit unseres Gesprächs in Weißenburg. Schnell war klar: Wir sollten uns bald wiedersehen.


Ein Treffen im Babylon kam also genau zur richtigen Zeit
Claudia war zu mir ins Babylon direkt aus Nürnberg gekommen, wo sie derzeit mit ihren Arbeiten im Kunsthaus beim NN-Kunstpreis vertreten ist. Darüber und über einige weitere Ausstellungen, die ich in den letzten Tagen besucht habe, werde ich demnächst noch ausführlicher auf dieser Webseite berichten.
Schon in Weißenburg waren mir ihre Malereien aufgefallen wegen der außergewöhnlichen Hintergründe: Einkaufstüten. Die Gemälde von Claudia Wirth zeigen Menschen – und Menschen sind auch mein Thema, wenn auch auf ganz andere Weise. Nicht als gemalte Figur, sondern als Begegnung, Erinnerung und Wahrnehmung. Darüber sprachen wir ebenfalls an diesem Nachmittag, an dem wir uns endlich wirklich kennenlernen konnten.
Ping-Pong zwischen Fachfrauen
Warum machst Du das so?
Wo kaufst Du Deine Skizzenbücher?
Was wird später daraus?
Nimmst Du Dir feste Zeiten für Deine künstlerische Arbeit?
Mit welcher Kamera hast Du die Fotografien für die Ausstellung hier im Babylon aufgenommen?
Frage, Antwort, Gegenfrage.
Es war mehr als ein Gespräch – mehr ein Ping-Pong zwischen zwei Fachfrauen. Die Bälle flogen schnell hin und her, dabei verging die Zeit wie im Flug.
Irgendwann musste Claudia schließlich aufbrechen. Kurz vor ihrem Abschied fiel dann dieser Satz:
„Ich bin sprachlos.“
Nach zwei Stunden intensiven Austauschs hätte ich nicht gedacht, dass Sprachlosigkeit das Fazit unseres Treffens sein würde. Aber vielleicht ist genau das eines der schönsten Komplimente, das Kunst und Begegnung hinterlassen können.
Wer mehr über Claudia Wirth und ihre Arbeiten erfahren möchte, findet weitere Informationen auf ihrer Homepage.