Atelier PAS
Petra Annemarie Schleifenheimer

Gleich zwei neue Welten

Und wieder sind es beinahe Nachbarn, die ich heute Abend zu Gast habe: Dorothea Nickl-Dobler und Kalle Dobler.

Obwohl wir uns hier im Bistro des Babylon schon mehrfach zufällig am Tresen begegnet sind, kennen wir uns noch gar nicht so lang. Meine Ausstellung liefert nun endlich den triftigen Grund für ein geplantes Treffen – und dieses wird beinahe zur Fortsetzung meines gestrigen musischen Abends.

Gleich zur Begrüßung überreichen mir die beiden ein Kuvert, das es sozusagen auf den limettengrünen Punkt bringt: Literarisch-musikalischer Inhalt, wie sich bald herausstellen sollte. Was ich bis dahin nicht wusste, wird an diesem Abend durch die Mitbringsel deutlich.

Das hungrige Leben

Nummer eins: eine CD mit deutschsprachigem Indie-Pop von Lena Dobler.

Die Nürnberger Nachrichten bezeichneten die Tochter meiner heutigen Gäste 2025 als die „prominenteste Singer-Songwriterin der Kleeblattstadt“. Dass Lena zudem Kulturpreisträgerin der Städte Nürnberg und Fürth sowie Künstlerin des Monats der Metropolregion war, erfahre ich an diesem Abend fast nebenbei. Nachdem ich ihren Auftritt auf dem Fürth Festival leider verpasst habe, bin ich nun umso neugieriger auf die Musik, die sich auf der CD verbirgt.

Nummer zwei: ein grünes Büchlein mit raffiniert-schrägem Titel.

Gemeint ist natürlich der Lyrikband „das leben ist so hungrig (ich bekomme es kaum satt)“. Eine weitere neue Welt öffnet sich vor mir. Dass Doro schreibt, war mir bekannt. Ich dachte dabei eher an Werbetexte oder Ausstellungsbeschreibungen. Was mir bis heute nicht in den Sinn gekommen war: Doro gießt Buchstaben in lyrische Formen.

Noch in der Nacht nach unserem Gespräch folge ich dem gelben Streifen am unteren Rand des Buchcovers und lese mich durch die Seiten bis zu den letzten Worten:

„… eine vage vorahnung / tage würden tagen folgen …“

Ein Satz, der lange nachhallt.

An diesem Abend sprechen wir weder über meine Arbeiten noch über die laufende Weltmeisterschaft. Und doch zeigt mir gerade diese Begegnung, wie viele unerwartete Welten in meiner unmittelbaren Nachbarschaft verborgen liegen.

Apropos Weltmeisterschaft

Ein Hauch vom Spiel Frankreich gegen Spanien wehte dennoch kurz durch unsere gemütliche Runde. Verantwortlich dafür war wiederum eine Nachbarin: Pauline Mazenod – die direkt gegenüber zu meinem Atelier PAS wohnt. 

Mit einer Flasche Sekt und einer Schachtel Farbstifte erschien die umtriebige Französin am Tisch. Das Ergebnis ihres spontanen Auftritts war wenig später auf Rolands Stirn zu bewundern – als französische Tricolore.